Erneuerbare Energien
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Kosten der Wasserkraft sind nicht gedeckt

Ein zentrales Element für die Versorgungssicherheit der Schweiz

Wasserkraft ist das Rückgrat der Schweizer Stromversorgung. Sie steuert knapp 60 Prozent zur Stromproduktion bei und ist damit für die Versorgungssicherheit unseres Landes zentral. Das gilt heute und auch in Zukunft – aber sie ringt ums Überleben.

Fragen rund ums Thema Wasserkraft dominieren neben der Diskussion um die Energiestrategie 2050 derzeit die politische Agenda – auch im Bundeshaus. So hat sich am 24./25. April die nationalrätliche Energiekommission mit Vorstössen dazu beschäftigt. Zur Debatte standen dabei unter anderem die von Axpo, Alpiq und anderen Stromproduzenten als Sofortmassnahme vorgeschlagene Grundversorgungsprämie für die Wasserkraft und das Versorgungs- und Klimamarktmodell.
Dabei geht es um die langfristige Sicherung des zentralen Standbeins der Schweizer Stromproduktion.

Kaum eine Produktionsform punktet mit derart vielen Vorteilen wie die Wasserkraft. Sie produziert sauber, ihre Ressource ist erneuerbar. Ein weiterer Trumpf ist ihre Flexibilität. Wasserkraft liefert nicht „nur" Bandenergie, sondern, weil Wasser speicherbar ist, auch Spitzenenergie. Innerhalb weniger Minuten gleicht sie Nachfrageschwankungen aus – ein entscheidender Vorteil angesichts der unregelmässig anfallenden Stromproduktion aus Solar- und Windenergie. Wasserkraft gehört zudem zu den kostengünstigen Produktionsformen überhaupt. Der grösste Teil der Erzeugungskosten eines typischen Wasserkraftwerks fällt mit knapp 40 Prozent auf Kapitalkosten und Abschreibungen. Aber auch die Abgaben für die öffentliche Hand wie Wasserzinsen und Steuern sind mit rund 35 Prozent ein bedeutender Posten, während die eigentlichen Betriebskosten mit etwa 25 Prozent zu Buche schlagen.

Zerfall der Strompreise

Auf der anderen Seite sind die Marktpreise für Strom in den vergangenen Jahren derart massiv eingebrochen, dass die meisten der rund 600 Schweizer Wasserkraftwerke ihren Strom unter den Erzeugungskosten absetzen müssen. Die Gründe für den Preiszerfall an den europäischen Strombörsen sind bekannt: tiefe Preise für Kohle und CO2-Zertifikate sowie eine massive Subventionierung neuer Energien wie Wind- und Solarenergie, namentlich in Deutschland. Hinzu kommen eine geringere Nachfrage nach Strom und aus Sicht der Schweizer Produzenten negative Wechselkurseffekte.

Durch den Verkauf des Stroms zu Marktpreisen werden aktuell nur 75% der Vollkosten aller Wasserkraftwerke gedeckt. Es entsteht ein Defizit von 600 Mio CHF pro Jahr. Der Bund hat als Sofortmassnahme die Marktprämie in Aussicht gestellt. Diese würde zusätzlich 120 Mio CHF einbringen. Dadurch würde sich das Defizit auf 480 Mio CHF reduzieren. Anzumerken ist, dass Unternehmen, die Endkunden beliefern, diesen Kunden die Vollkosten verrechnen können. Aktuell können aber die grossen Produzenten wie Axpo und Alpiq dies nicht wahrnehmen. Sie decken rund 50% der schweizerischen Wasserkraft ab und haben so gemeinsam einen Verlust von 300 Mio CHF zu tragen.

Versorger bluten aus

Der fortwährende enorme Geldabfluss zehrt an den Reserven der Kraftwerkbetreiber. In nur wenigen Jahren werden sie unter dem heutigen Preisgefüge ausgeblutet und nicht mehr in der Lage sein, die notwendigen Investitionen in den Erhalt der Wasserkraft zu tätigen. Dabei rechnet der Bund bis 2050 mit rund 30 Mia. Franken Investitionen allein für die Instandhaltung und Erneuerung der Anlagen. Soll die Schweiz nach dem Wegfall der Kernkraft auch künftig sicher und zuverlässig mit Strom versorgt werden, ist der Erhalt heutiger Kapazitäten an heimischer Wasserkraft zwingend. Dies funktioniert jedoch nur, wenn Stromproduzenten primär die laufenden Kosten und sekundär die nötigen Investitionen in die Wasserkraft schultern können. Hier setzt das Versorgungs- und Klimamarktmodell (VKMM) an. Während die Energiestrategie 2050 den subventionierten Ausbau etwa der Photovoltaik vorsieht – ein solcher entschärft den Stromengpass im Winter nicht, sondern trägt lediglich dazu bei, dass wir im Sommer über noch mehr Strom verfügen, als wir ohnehin bereits haben –, fliesst das Geld mit dem VKMM dorthin, wo es auch tatsächlich etwas bringt: in die Versorgungssicherheit.

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