Erneuerbare Energien
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„Die Maschine brummt"

Wie es Axpo mit der Windkraft hält

Am New Energy Investor Summit in Zürich treffen sich wichtige Entscheidungsträger aus der Branche. Für Axpo ist Christoph Sutter, Leiter Division Neue Energien, als Referent auf zwei Podien mit dabei. Er sagt: „Erneuerbare Energien sind auch für institutionelle Anleger sehr interessant." Ein Gespräch über das Potential der Erneuerbaren bei Axpo und die neuesten Ausschreibungen von Windparks in Deutschland.

Bereits zum 7. Mal findet am 22./23. Mai in Zürich der New Energy Investor Summit statt. Der Anlass hat sich unterdessen als Branchentreffen der erneuerbaren Energien etabliert. Mehr als 130 ausgewählte Teilnehmer aus der Schweiz und ganz Europa absolvieren vor Ort über 250 Meetings, präsentieren ihre Projekte, Kraftwerke, Anlageinstrumente und Dienstleistungen gegenüber finanzkräftigen Investoren und tauschen sich zu aktuellen Branchenthemen aus. Die angebotenen Infrastrukturinvestments zeichnen sich dabei durch eine hohe Qualität aus: Die Erneuerbare-Energie-Projekte, die am New Energy Investor Summit präsentiert werden, weisen im Schnitt eine kumulierte Leistung von drei bis fünf Gigawatt auf. So ist es denn auch kein Wunder, dass die Schatullen der teilnehmenden Investoren prall gefüllt sind: Sie haben in der Regel bis zu einer Milliarde Euro für Investitionen zur Verfügung. Und dass sie diese auch einsetzen, zeigt die Tatsache, dass an dem Anlass in den vergangenen Jahren mehrere grosse Transaktionen eingefädelt und später realisiert wurden.

Wer gezielt Projektentwickler und -anbieter, Energieversorger, Stadtwerke, Asset Manager, Banken, Versicherer, Pensionskassen, Family Offices, Investmentfonds und Dienstleister treffen möchte, hat sich den New Energy Investor Summit als Pflichttermin dick im Kalender eingetragen. Das gilt natürlich auch für Axpo: Das Unternehmen ist sogar Projektpartner der Veranstaltung.

Im Energiedialog erläutert Christoph Sutter, Leiter Division Neue Energien, warum es für Axpo so wichtig ist, am New Energy Investor Summit Präsenz zu zeigen, und wie es derzeit um die Geschäfte mit erneuerbaren Energien bei Axpo bestellt ist.

Christoph Sutter, Leiter Division Neue Energien

Christoph Sutter, Axpo nimmt auch in diesem Jahr am New Energy Investor Summit teil. Ist das ein echter „Place to be" oder geht ihr da vor allem hin, um mit alten Weggefährten zu plaudern und anzustossen?

(lacht) Letzteres kann sicherlich beim abendlichen Get-together der Fall sein, man trifft da schliesslich viele bekannte Gesichter. Aber die Dimension der Veranstaltung geht weit über ein nettes Beisammensein hinaus. Der New Energy Investor Summit ist für uns ein sehr wichtiger Business-Anlass, an dem sich Projektentwickler und Investoren mit Hilfe frischer und effizienter Kongressformate treffen. Uns hat neben der Qualität der Referate und der Workshops in den vergangenen Jahren insbesondere auch die Teilnehmergruppe begeistert.

Ist es tatsächlich das Who's Who der Schweizer Branche, das sich da trifft und austauscht?

Absolut. Am New Energy Investor Summit treffen sich die Schlüsselakteure der Branche. Ich habe selten eine solche Veranstaltung erlebt, wo der Nutzen die Kosten derart markant übersteigt. Es ist klar, dass Axpo als grösste Schweizer Produzentin von erneuerbaren Energien und mit ihrem bedeutenden Engagement im Bereich der Windenergie in Europa an diesem Anlass dabei ist.

Was steht für Sie im Mittelpunkt dieser Veranstaltung?

Zunächst einmal ist die Kontaktpflege zu möglichen Käufern von Windparks und zu anderen Windparkentwicklern zentral für mich. Wir möchten insbesondere Geschäftsführer anderer Windparkentwickler in Europa und Entscheidungsträger institutioneller Investoren treffen. Darüber hinaus werde ich Axpo auf zwei Podien vertreten. Es handelt sich einerseits um einen Workshop zum Thema „Assetklasse erneuerbare Energie: Attraktive Investitionen für institutionelle Investoren"; die andere Diskussionsrunde steht unter dem Motto „Durchbruch der erneuerbaren Energien: Wird die Vision einer flächendeckenden, nachhaltigen und stabilen Stromversorgung Realität?".

Das klingt interessant – erzählen Sie uns doch bitte mal, welche Standpunkte Sie dazu vertreten werden.

Der Trend ist eindeutig: Die erneuerbaren Energien, insbesondere Wind und Photovoltaik, werden weltweit stark zugebaut. Im vergangenen Jahr waren es sage und schreibe 160 GW Wind und Photovoltaik. Diese Tendenz wird sich fortsetzen und höchstwahrscheinlich weiter akzentuieren. Erneuerbare Energien stellen insbesondere für institutionelle Investoren eine äusserst attraktive Assetklasse dar.

Was sind die Treiber dieser Entwicklung?

Die Treiber dahinter sind sowohl technologischer als auch wirtschaftlicher Natur. Es wird immer deutlicher sichtbar, dass sich die Förderregime, die viele erneuerbare Energieformen heute noch benötigen, kontinuierlich in Richtung mehr Markt entwickeln. Das ist ein ganz wichtiger Schritt, der zeigt, dass sich die Branche in die richtige Richtung bewegt.

Dafür gibt es bestimmt ein anschauliches Beispiel.

Klar: Dieses Jahr werden etwa in Deutschland und Frankreich zum ersten Mal die gesicherten Einspeisetarife für neue Onshore-Windkraftwerke in kompetitiven Verfahren auktioniert. Das ist für Axpo sehr bedeutend, da es sich um Märkte handelt, die für unser eigenes Geschäft mit erneuerbaren Energien sehr wichtig sind. Darüber hinaus sehen wir immer mehr Teilmärkte, wo Förderregime für erneuerbare Energien nicht mehr benötigt werden, da Anwendungen wirtschaftlich konkurrenzfähig geworden sind. Ein Beispiel dafür sind Photovoltaik-Anlagen mit einem hohen Eigenverbrauch.

Man hat kürzlich sogar gelesen, dass die ersten Offshore-Windparks mittlerweile gänzlich ohne Subventionen auskommen – sind demnächst auch solche teuren Technologien marktreif?

Wind Offshore ist ein anderes sehr interessantes Beispiel, das zeigt, wie erneuerbare Energien rasant profitabler werden können. Bereits im vergangenen Jahr haben viele Vertreter der Energiebranche gestaunt, wie stark die Kosten dieser bis vor kurzem als sehr kostspielig verschrienen Technologie gesenkt werden konnten. 2016 wurden in Europa Einspeisetarife zwischen 4 und 7 EUR Cent/kWh auktioniert, was verglichen mit bis dato aktuellen Tarifen um rund 18 EUR Cent eine drastische Senkung war.

Bei 4 bis 7 EUR Cent sind wir aber immer noch relativ weit von der Nullsubventionierung entfernt.

Das stimmt natürlich. Der Schritt zu 0 EUR Cent dieses Jahr in Deutschland hat vor allem damit zu tun, dass es sich um Anlagen ab 2021 handelt. Darum beinhaltet dieses Resultat natürlich auch ein gewisses spekulatives Element, da Kosten- sowie Strompreisentwicklungen für die Zukunft abgeschätzt werden mussten. Insgesamt zeigt dies aber, welche rasante Entwicklung die erneuerbaren Energien zuletzt genommen haben.

Entwicklung ist ein gutes Stichwort: Wie sieht es bei Axpo aktuell aus in Sachen Windenergie?

Axpo hat insbesondere im Bereich Wind Onshore klare Wachstumspläne und wird in diesem Bereich auf nationaler und internationaler Ebene aktiv die Zukunft mitgestalten. Mit dem Kauf von Volkswind vor knapp zwei Jahren ist Axpo in das lukrative Geschäft mit der Windparkentwicklung eingestiegen, das war ein wichtiger Meilenstein im Rahmen unserer Strategie.

Wird Axpo mittlerweile eigentlich als Windparkbauer in der Branche wahrgenommen und anerkannt?

Ja, auf jeden Fall. Wir bekommen sehr viele positive Rückmeldungen aus dem Markt. Volkswind wurde und wird als solide Firma angesehen und Axpo bekommt Anerkennung dafür, dass sie den Schritt in das Windparkentwicklungsgeschäft sehr konsequent und zielsicher angegangen hat.

Und wie sind Sie selbst mit der Entwicklung von Volkswind zwei Jahre nach dem Kauf zufrieden?

Ich bin äussert zufrieden mit der Entwicklung bei Volkswind. Wir haben im vergangenen Jahr mit dem Verkauf von vier Windparks signifikant mehr Geld verdient als ursprünglich erwartet. In diesem Geschäftsjahr werden wir sechs neu gebaute Windparks mit insgesamt 35 Anlagen in Betrieb nehmen. Die Maschine brummt, so kann es weitergehen.

Welche Windparks werden das sein?

Es handelt sich um Anlagen aus dem Portfolio von Volkswind in Frankreich. Drei Parks konnten wir bereits in Betrieb nehmen. Die anderen drei Baustellen laufen nach Plan.

Vor einem Jahr hatten Sie hier im Energiedialog erklärt, warum der mögliche Verkauf von Windparks Teil eurer Strategie ist. Werdet ihr die neuen Anlagen in Frankreich auch gleich veräussern?

Ich habe stets betont, dass Volkswind für uns ein Vehikel ist, um gezielt zusätzliche Erlöse zu erwirtschaften. Dazu zählen neben dem Betrieb von eigenen und fremden Anlagen auch die Entwicklung, der Bau und die anschliessende Veräusserung von Windparks. Wir werden auch in Zukunft die Wahlfreiheit haben, Anlagen zu verkaufen oder im Eigenbestand zu halten. Dank der umfangreichen Projektpipeline von Volkswind in Frankreich und Deutschland, die 500 MW mit Baugenehmigung und weitere 2'500 MW in verschiedenen Entwicklungsstadien umfasst, haben wir alle Optionen in eigener Hand.

Welche Ziele verfolgen Sie mittel- bis langfristig, wohin soll die Reise der Axpo im Bereich Wind noch gehen?

Wir evaluieren derzeit verschiedene Möglichkeiten, um das Windgeschäft weiter ausbauen zu können. Konkret wollen wir den Output an neu gebauten Windparks pro Jahr weiter steigern und parallel das Servicegeschäft im Bereich Wind ausbauen.

Zu diesem Servicegeschäft zählen zum Beispiel Betriebsführungsmandate für Windparks, die Dritten gehören.

Genau, wir verfügen in diesem Bereich über ein sehr grosses Know-how. Über unsere Niederlassungen in den einzelnen Ländern managen wir mittlerweile Energie aus Kundenanlagen von mehreren tausend MW installierter Leistung allein im Bereich der Windenergie. Diesen Kunden können wir in Zukunft auch weitere Dienstleistungen anbieten.

Welche neuen Möglichkeiten bieten sich Ihrer Abteilung zukünftig unter dem Dach der „Axpo Solutions"?

Das Geschäft mit dem Bau und Betrieb von Windparks wird in jedem Fall eines der wichtigsten Wachstumsfelder der „Axpo Solutions" sein. Wir eruieren momentan, wie wir das Windgeschäft aus Sicht der „Axpo Solutions" strategisch optimal aufstellen können.

Danke für das Interview, Christoph Sutter, und viel Erfolg am New Energy Investor Summit.

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