Energiemarkt
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"Wunderwaffe" PPA

Immer mehr Unternehmen setzen auf Abnahmeverträge für grünen Strom

Der internationale Strommarkt steht vor einem weiteren Umbruch: Zahlreiche Staaten in Europa kürzen zunehmend ihre Fördergelder für die Produktion von erneuerbaren Energien wie Sonne und Wind, nach Jahren der Anschubfinanzierung spielt nun verstärkt der Markt. Für die Erzeuger erneuerbarer Energien fällt damit vielfach die fixe Einspeisevergütung weg – darum wenden sie sich nun vermehrt an grosse Unternehmen, die ihren Strombedarf aus erneuerbaren Quellen decken wollen. Den Anbietern und Vermittlern von Stromliefer- und Stromabnahmeverträgen, so genannten Power Purchase Agreements (PPA), bietet sich dadurch ein wachsendes Betätigungsfeld – und Axpo ist an vorderster Front dabei.

Heute werden rund zwei Drittel der europäischen Windkraftkapazität durch Einspeisevergütungen gestützt. Laut Branchen-Insidern dürfte dies bis ins Jahr 2030 aber nur noch bei 6% der Kapazität der Fall sein. Während die Förderung umweltfreundlicher Projekte durch die Regierungen zurückgeht, erreichte die Zahl der weltweit unterzeichneten PPAs im Jahr 2017 einen neuen Höchststand . Dies zeigt die Bereitschaft energieintensiver Endverbraucher zur Abnahme von Ökostrom im Rahmen von mittel- bis langfristigen Festpreisverträgen. Viele Marktteilnehmer bringen sich deshalb in Stellung, um PPAs mit Unternehmen anbieten bzw. vermitteln zu können, welche die ehrgeizigen Ziele Europas im Bereich der erneuerbaren Energien unterstützen wollen.

Abnahmeverträge für Ökostrom erreichen Rekordwert

Stromabnahmeverträge an sich sind nichts Neues: Sie werden auf den internationalen Strommärkten seit langem eingesetzt, um den Erzeugern die langfristige Abnahme der Energie zu ermöglichen. Der Abnehmer profitiert dann, häufig zu festen Preisen, von einer sicheren Energiequelle. Neu ist, dass PPAs besonders auf den US-amerikanischen Strommärkten seit einigen Jahren zunehmend von Grossunternehmen wie Google, Microsoft und Facebook genutzt werden, um die Ziele im Bereich der erneuerbaren Energien zu erreichen und eine langfristige, kostengünstige und zuverlässige Energieversorgung für energieintensive Anlagen wie etwa Rechenzentren zu sichern. Laut dem Branchendienst Bloomberg New Energy Finance erreichte die Zahl der weltweit unterzeichneten Stromabnahmeverträge im Jahr 2017 einen Rekordwert von 5,4 Gigawatt (GW). Seit 2008 wurden rund 19 GW Ökostrom über PPAs mit Unternehmen eingekauft, davon 76 % seit 2015.

Europa folgt dem Vorbild der USA

In Europa haben Unternehmen im vergangenen Jahr Stromabnahmeverträge mit einem Volumen von immerhin einem Gigawatt unterzeichnet. Es wird erwartet, dass das Interesse durch die Notwendigkeit, die Preis- und Volumenrisiken zu kontrollieren, weiter steigen wird. Im Oktober und November vergangenen Jahres etwa kündigte Microsoft zwei separate Abnahmeverträge mit Windparks in Europa an. Der erste dieser beiden PPA hat eine 15-jährige Laufzeit und betrifft die Abnahme des gesamten im irischen 37-MW-Windpark Tullahennel produzierten Stroms. Der zweite Vertrag von Microsoft regelt die Abnahme der gesamten Strommenge aus einem 180-MW-Windpark in den Niederlanden.

Auch Axpo mischt ganz vorne mit in diesem Geschäft: Im März 2018 unterzeichnete die Unilever-Gruppe mit Axpo Italia einen Vertrag über den Bezug von Strom aus dem Windpark WinBis  in Süditalien für alle Werke des Unternehmens in Italien. Bereits einige Monate zuvor hatte Axpo zudem ein PPA in Portugal abgeschlossen, das die Finanzierung und den Bau des ersten nicht öffentlich geförderten Solarprojekts auf der iberischen Halbinsel ermöglicht und damit den Grundstein für die Entwicklung ähnlicher Bauprojekte besonders im Süden Europas in den kommenden Jahren legt. Gerade für Unternehmen sind solche Projekte besonders interessant.

Windpark WinBis in Süditalien

EU-Zielvorgaben für den Klimaschutz als Treiber

Worauf ist diese Entwicklung zurückzuführen? Die EU hat sich ehrgeizige Klimaschutzziele gesetzt: Bis ins Jahr 2020 wollen die einzelnen Länder 20% des gesamten Energieverbrauchs aus erneuerbaren Energien gewinnen. Dass diese Zielvorgaben erreicht werden können, scheint realistisch zu sein – und so hat man sich für 2030 bereits auf das neue Ziel geeinigt, mindestens 27% des Verbrauchs mit erneuerbaren Energien zu decken. Da jedoch die Kosten für erneuerbare Energien sinken und sich immer mehr Unternehmen zu klar definierten Nachhaltigkeitszielen bekennen, setzen die Regierungen vermehrt auf Auktionsmodelle, bei denen die Stromerzeuger grundsätzlich den Marktpreisen ausgesetzt sind und nur noch die wettbewerbsfähigsten Projekte mit Subventionen unterstützt werden.

Bis zum Jahr 2030 könnten voll kommerziell betriebene Windkraftanlagen, die nicht von staatliche Subventionen profitieren, jährlich bis zu 155 Terawattstunden Strom aus Windkraft erzeugen – genug, um den jährlichen Strombedarf eines Landes wie Polen zu decken. Die installierte Windenergieleistung, so schätzen Experten, werde bis 2020 um 50 GW und bis 2030 um 166 GW auf insgesamt 323 GW steigen. Diese erhöhte Kapazität dürfte in Verbindung mit dem Abbau der staatlichen Subventionen noch deutlich mehr Marktteilnehmer zur Nutzung von Stromabnahmeverträgen bewegen als bisher, da die Unsicherheit im Hinblick auf Strompreise und -mengen für die Erzeuger und Abnehmer erneuerbarer Energien zunimmt. In diesem Umfeld würden Stromabnahmeverträge mit Unternehmen oft als „Wunderwaffe“ für die Strommärkte angesehen, so heisst es in Branchenkreisen.

Axpo Nordic: ein Big Player im Land der Vorreiter

Einer, der sich bei PPAs mit Unternehmen besonders gut auskennt, ist Håkon Røhne, Managing Director von Axpo Nordic und Mitglied des Management Boards von Axpo Trading: „Solche Verträge sind eine grosse Chance für die europäischen Energiemärkte: Einerseits fördern sie die Entwicklung erneuerbarer Energien, indem sie den Erzeugern starke, zuverlässige Geschäftspartner zur Seite stellen. Andererseits erhalten europäische Grossunternehmen bezahlbare, sichere und saubere Energie, was die Energiekosten senkt und die Nachhaltigkeitsziele unterstützt.“

Ein transparenter Markt, dessen Preise nachvollziehbar und vertrauenswürdig sind, ist dabei der Schlüssel zur Schaffung von Stabilität für Erzeuger und Verbraucher – und somit eine Grundvoraussetzung, um Stromabnahmeverträge mit Unternehmen eingehen zu können. Håkon Røhne erklärt: „Es gibt innerhalb Europas grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Märkten – nicht nur im Hinblick auf die Kultur, sondern auch in Bezug auf Marktstruktur und Liquidität, Transparenz und Vorschriften. Daher sind lokale Niederlassungen so entscheidend, um vor Ort Erfolg zu haben . Skandinavien war in dieser Hinsicht europaweit einer der Vorreiter und das ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass gerade bei uns im hohen Norden die ersten europäischen Anbieter von PPAs für erneuerbare Energien auf den Markt kamen.“

Håkon Røhne, Managing Director von Axpo Nordic

Von null Risiko bis volles Risiko ist alles möglich

Da Stromabnahmeverträge mit Unternehmen bekanntlich das Preisrisiko minimieren, lassen sich für die Nutzer durch eine Reihe von Optionen unterschiedliche Risikostufen realisieren, so Håkon Røhne: „Wir bei Axpo Nordic bieten u.a. eine Lösung an, in deren Rahmen der Stromerzeuger ein festes Volumen und einen festen Preis erhält, was sich im Wesentlichen in einem fixen Cashflow pro Monat bzw. Jahr niederschlägt. Somit hat der Hersteller kein Marktrisiko, kein Mengenrisiko, kein Wetterrisiko – er trägt nur ein technisches Risiko und ein aufsichtsrechtliches Risiko. Das ist wohl die Struktur mit dem geringsten Risiko, die es gibt.“

Am anderen Ende des Spektrums stehen hingegen Stromabnahmeverträge, die einen variablen Preis für die gesamte Produktion eines Projekts bieten. Je nachdem, wie die Bedürfnisse aussehen, ändern sich auch die Risikostrukturen: Einige Kunden, wie etwa grosse Industrieunternehmen, sind in Bezug auf ihre Energiehandelsfähigkeiten selbst erfahren genug und verfügen teilweise sogar über eigene Energiehandelsexperten, andere hingegen benötigen mehr Sicherheit und Beratung. Deshalb gibt es mitunter grosse Unterschiede bei den verschiedenen PPA-Strukturen. Allen Stromabnahmeverträgen für erneuerbare Energien gemeinsam ist aber zumeist der langfristige Charakter .

Stromabnahmeverträge für erneuerbare Energien
sind langfristig angelegt.

Stichwort: langfristiges Wachstum

Wird das Vertrauen der Grossunternehmen in den Markt denn langfristig belohnt? Grundsätzlich bleibt dies noch abzuwarten, aber die derzeitigen Marktteilnehmer zeigen sich zumeist optimistisch. Das gilt auch für Axpo Nordic: „Die ehrgeizigen Klimaschutzziele, die Europa nicht nur bis 2020, sondern auch bis 2030 und darüber hinaus verabschiedet hat, sind die eigentliche treibende Kraft für die Stromabnahmeverträge. Die Basisdaten deuten darauf hin, dass es künftig wesentlich mehr Stromabnahmeverträge  im Allgemeinen, wesentlich mehr Stromabnahmeverträge mit Unternehmen und wesentlich mehr neue Akteure in allen Bereichen der Wertschöpfungskette der regenerativen Energieerzeugung geben wird“, so Håkon Røhne abschliessend.

Dass Axpo sich einen ordentlichen Teil dieses langfristig wachsenden Kuchens abschneiden möchte, versteht sich von selbst.

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